Um den Schatz der Tempelritter ranken sich bis heute Legenden. Einer Archivarin des Vatikans sind 700 Jahre alte Prozessakten in die Hände gefallen, die das Ende des Templerordens beleuchten. Sie widerlegen die Behauptung des französischen Königs, dass die Templer Ketzer gewesen seien. Das Geheimarchiv des Vatikans hat für den 25. Oktober zu einer Pressekonferenz eingeladen, auf der überraschend aufgefundene Akten zum Prozess gegen die Templer im 14. Jahrhundert vorgestellt werden sollen.
Offiziell gelten die Templer bis heute als Gotteslästerer. In dem am 25. Oktober erscheinenden Werk mit dem Titel „Processus contra Templarios“ werden jetzt erstmals Reproduktionen der Prozessakten gegen die Tempelritter sowie das brisante Dokument „Pergament von Chinon“ veröffentlicht. Darin wird deutlich, dass der Papst die vom französischen König Philipp IV. eingekerkerten höchsten Würdenträger des Ordens selbst befragte und ihnen anschließend die Absolution erteilte. „Das ist der Beweis dafür, dass die Tempelritter keine Ketzer waren“, sagt die Historikerin Barbara Frale. Die Wissenschaftlerin des vatikanischen Geheimarchivs hatte das Schriftstück 2001 zufällig entdeckt.
Ihr erstes Hauptquartier hatten die Templer im Jahr 1118 neben der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem, wo vor 7 Jahren die zweite Intifada ihren Anfang nahm. Zur Zeit der Kreuzzüge war diese Moschee jedoch in die prominenteste MarienBasilika des Heiligen Landes umgewandelt worden - während sich der muslimische Felsendom, dessen Goldkuppel sich über der Mitte des ehemals jüdischen Tempelbergs erhebt, in einen christlichen „Templum Domini“ verwandelte: zu einem „Tempel des Herrn“, weil die christlichen Kreuzfahrer damals noch dachten, hinter den Kacheln des Felsendoms Reste vom Tempel des Herodes wieder zu erkennen, den Jesus, „der Herr“, selbst noch vor Augen gehabt hatte (und auf den er wohl schaute, als er drüben auf dem Golgatha seinen Geist aufgab).
Dem Komplex dieser Gebäude verdanken die Templer jedenfalls ihren vollständigen Namen, von der „armen Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel“. Arm blieben sie jedoch danach nicht lange. Um christliche JerusalemPilger wirksam vor aggressiven Muslimen und normalen Räubern zu schützen, hatten sie damals auf dem Tempelberg in Jerusalem den ersten Orden Europas gegründet und entwickelt, in dem Ideale des Rittertums mit Idealen der Mönche verschmolzen wurden.
Missgunst, purer Neid und üble Verleumdungen ließen Philipp IV., „den Schönen“, von Frankreich die Templer im Jahre 1307 unter dem Vorwurf der „Ketzerei“ wie Hasen jagen, die Spitzen des Ordens wurden bei lebendigem Leib verbrannt. Ihr überreicher Besitz wurde beschlagnahmt. Danach löste Clemens V. auf französischen Druck den Orden auf. Die Nachricht einer umfassenden „Rehabilitation“ klang wie eine kleine Bombe. Vor allem die ersten Mutmaßungen, ob vielleicht danach der Orden noch einmal neu auferstehen könne in einer Zeit, die den Tagen der Kreuzfahrer in ihrer Dramatik in nichts nachsteht.


















