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Geschmäht, aber gelesen

Česko

Der österreichische Schriftsteller und Bestseller-Autor Johannes Mario Simmel starb

Es scheint naturgemäß, dass österreichische Literaten polarisieren. In jüngerer Vergangenheit taten dies, freilich mit unterschiedlichen Folgen, der streitbare Grantler Thomas Bernhard, der politische Träumer Peter Handke – und der Erfolgsromancier Johannes Mario Simmel, der am Neujahrstag im Alter von 84 Jahren in einer Seniorenresidenz unweit der schweizerischen Stadt Zug gestorben ist.

An dem Schriftsteller, der 1947 mit der Novellensammlung „Begegnung im Nebel“ debütierte, schieden sich die Geister deshalb so sehr, weil Simmel über die rare Gabe verfügte, U- und E-Kultur in seinen Texten auf das Schönste zu versöhnen. Er schrieb in einem unterhaltsamen Gestus über ernste, politisch häufig brisante Themen, die er zudem eingehend recherchiert hatte: über Gewalt gegen Ausländer ebenso wie über Korruption und Eitelkeit in der Politik, über Gefahren der Genmanipulation ebenso wie über Drogenhandel. Die Nähe zum Kitsch Was Simmels Bücher tatsächlich in die Nähe zum Kitsch rückt, sind einzig deren Titel, die im deutschsprachigen Raum längst sprichwörtlich geworden sind: „Liebe ist nur ein Wort“ (1963) inkriminiert den Dünkel einer unendlich selbstgefälligen Oberschicht, „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ (1970) thematisiert die Doppelmoral von Geheimagenten und das Menschen verachtende Geschäft mit biologischen Massenvernichtungswaffen. In „Der Stoff, aus dem die Träume sind“ (1971) setzt sich der vom Journalisten zum Medienkritiker konvertierte Simmel mit einer auf Sensationen abonnierten Regenbogenpresse auseinander, in „Doch mit den Clowns kamen die Tränen“ (1987) entwirft er das düstere Szenario einer von skrupellosen Wissenschaftlern beherrschten Welt, in der sich Klonen angeblich lohnen soll.

Ähnlich skeptisch bezüglich der Zukunft der Menschheit gab sich Johannes Mario Simmel auch in seinem letzten großen Beststeller „Im Frühling singt zum letzten Mal die Lerche“ (1990). In diesem Roman, der in drastischer Weise mögliche Folgen der globalen Umweltzerstörung beschreibt, bezweifelt der Autor, dass die Klimakatastrophe noch zu stoppen ist.

Glücklicherweise machten seine Suggestivgabe, sein Gespür für Spannung und nicht zuletzt sein Faible für erotisch freizügige Schilderungen daraus deutlich mehr und anderes als eine Ansammlung bloßer Fakten: So telegen und plastisch vermochte Simmel zu erzählen, dass es immerhin anderthalb Dutzend verfilmte Simmel-Romane im deutschsprachigen Raum in die Kinos schafften.

Zuletzt sorgten im vergangenen Jahr die ZDF-Neuverfilmungen „Gott schützt die Liebenden“ sowie „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ für beachtliche Einschaltquoten. Dieser Erfolg bewies neuerlich die Unfehlbarkeit von Marcel Reich-Ranicki, einem der wenigen feuilletonistischen Fürsprecher Simmels. Wie kaum ein anderer zeitgenössischer Autor habe Simmel „einen fabelhaften Blick für Themen, Probleme, Motive“.

Es ist ein Blick, der seinem großen Publikum fehlen wird.

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