Hans-Michael Klein, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Knigge Gesellschaft verrät alles über gutes Benehmen in Ost und West.
* Herr Klein, wie erkennt man den Mann oder die Frau aus den neuen Bundesländern?
An der Wortwahl, wenn er zum Beispiel Plaste sagt. Das gab es nur im Osten. Oder sie sagt,,Guten Tag, ich bin Frau Müller’.
* Was sagt die Frau aus den alten Bundesländern?
Sabine Müller. Geschlecht, Adelstitel, Berufbezeichnung -das ist alles nicht erlaubt. Wenn Sie beim Zahnarzt anrufen, und es meldet sich Schwester Angelika, dann wissen Sie, dass sie im Osten gelandet sind. Es gibt die Theorie, dass man im Osten nicht mit Genosse angesprochen werden wollte und sich deshalb demonstrativ als Frau oder Herr vorgestellt hat. Das ist aber nicht zu belegen. Vielleicht ist das auch alles nur Zufall und so gewachsen. Zwischen Nord und Süd gibt es ja auch ein grosses Gefälle. Der Bayer lässt auch nicht zu, was über seinem Weisswurstäquator liegt.
* Was ist mit dem umstrittenen Händeschütteln bei der Begrüssung?
Händeschütteln ist in Deutschland üblich. Die Ostdeutschen reichen aber deutlich öfter die Hand. Mit 70 Prozent extrem oft bei Freunden, in Westen sind es nur gut 40 Prozent.
* Und wenn man nicht jeden Morgen von seinem Kollegen aus dem Osten mit Handschlag begrüsst werden möchte?
Man kann sich etwas ausdenken, man kann zum Beispiel beschäftigt tun. Aber ablehnen darf man den Handschlag nicht. Da muss man durch. Man kann sich aber auch einfach daran gewöhnen. So schlimm ist das doch nicht.
* Erkennt man Ostdeutsche und Westdeutsche auch an ihrem Styling?
Aber sicher. Der Ossi trägt immer noch gern Sakkos mit vier Knöpfen und Krawattennadel. Das geht leider gar nicht. In Sachen Mode sind die Wessis immer noch tonangebend. Das Rheinland liegt nun mal näher an Mailand als Dresden das tut.
* Gibt es über den Ostdeutschen auch etwas Positives zu sagen?
Er ist ehrlicher im Auftreten. Eindruck zu schinden, sich in Szene zu setzen, ist verpönt. Die Wessis neigen dazu, Schauspieler zu sein, grosse Gesten, Smileys. Sie versuchen, sich den Amerikanern anzupassen. Immer nur lächeln. Vor 20 Jahren gab es die Vereinigungseuphorie, die ist bald einer Enttäuschung gewichen. Der Westler wird nach wie vor als Besserwessi empfunden. Die Teilung können wir vielleicht erst in 20 Jahren überwinden. Schon heute unterscheiden sich die Jüngeren, also Mensche um die 20 nicht mehr voneinander. Bei über 40-Jährigen aber sehe ich schwarz.
Welt Online


















