Terror im deutschen Herbst

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Vor 30 Jahren wurde Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer entführt

Deutscher Herbst, der Begriff sagt schon sehr viel. Er klingt kalt und nüchtern, nach Nebel und Düsternis, nach Stillstand und Depression. Er steht für jene 44 Tage, die am 5. September 1977 begannen, eine „bleierne Zeit“, wie sie später für die Geschichtsschreibung kategorisiert wurde. Es war die Zeit, als die Rote Armee Fraktion (RAF) den Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer entführte und einen guten Monat später palästinensische Terroristen einen Urlauberjet aus Mallorca kaperten.

Die 44 Tage, als sich Andreas Baader, Gudrun Ensslin und JanCarl Raspe am 18. Oktober im Gefängnis von Stuttgart-Stammheim selbst töteten, nachdem die Flugzeug-Geiseln in Mogadischu erfolgreich befreit worden waren. Als die RAF-Terroristen kurz darauf ihre Geisel Schleyer erschossen, einer Hinrichtung gleich, und Bundespräsident Walter Scheel am 25. Oktober in einer bewegenden Rede die Verwandten Schleyers um Vergebung bat. Der „Deutsche Herbst“ hat unser Erinnerungsbild der RAF geprägt. Denn er hatte die Republik verändert, nicht nur für 44 Tage.

Die Regierung reagierte auf die terroristische Bedrohung damals mit zahlreichen Sondergesetzen. Das Kontaktsperregesetz untersagte inhaftierten RAF-Terroristen, Besuch zu empfangen und miteinander zu reden. Selbst ihre Anwälte durften sie nicht mehr sehen, ein herber Eingriff in die Rechte eines Inhaftierten.

Die Regierung hätte kühler reagieren müssen

Die Kontaktsperre war der Höhepunkt einer Reihe von neuen Regelungen: Verteidigerausschluss, Verschärfung der Haftbedingungen, Gerichtsverhandlung auch in Abwesenheit der Angeklagten - was damals beschlossen wurde, war auch Vorbild für die Anti-Terrorgesetze nach dem 11. September 2001. Die RAF wirkte weit über den „Deutschen Herbst“ hinaus.

“Die Regierung hätte kühler reagieren müssen und sich nicht von dieser öffentlichen Hysterie mitreißen lassen dürfen, ich beziehe mich durchaus ein”, sagt heute Gerhart-Rudolf Baum, der damals Staatsekretär und später Innenminister war. Er sorgte nach dem Terrorjahr 1977 dafür, dass der Datenschutz verstärkt wurde und die Methoden der Polizei der politischen Kontrolle unterlagen. Er stand für eine liberale Politik, die dem „Deutschen Herbst“ folgte. Auch sie war ein Erbe der RAF, ein ungewolltes.

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