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Man spricht Texas-Deutsch

Česko

Mitten in Texas gibt es eine kuriose Sprachinsel

Typisch ist die Frage, die Clarence Scheel hört, wenn er nach Deutschland reist: „Wann sind Sie denn nach Amerika ausgewandert?“ Dann verblüfft der Texas-Deutsche mit seiner Antwort: „Na ja, meine Familie lebt seit mehr als 150 Jahren drüben.“ Scheels 95-jähriger Vater Adolph lernte erst mit 18 Jahren Englisch.

Zur Blütezeit des Texas-German, von etwa 1880 bis zum Ersten Weltkrieg, sprachen in „Hill Country“ mehr als hunderttausend Einwohner das Deutsch mit dem gewissen Etwas. Gottesdienste und Schulunterricht wurden auf Hochdeutsch gehalten, es gab fast 90 deutschsprachige Zeitungen und Magazine und ein blühendes Vereinswesen mit Gesangsvereinen wie Germania und der Liedertafel. Heute sind maximal zehntausend Sprecher übrig, Tendenz aussterbend. Der deutsche Sprachwissenschaftler Hans Boas von der University of Texas in Austin gibt den Texas-Deutschen noch höchstens 30 Jahre: „Die meisten Sprecher sind über 60, mit dieser Generation wird auch das TexasDeutsch aussterben.“ Spanischlernen ist sinnvoller Boas gründete das Texas-GermanProjekt, um einen Dialekt zu dokumentieren, der in mehrerer Hinsicht einmalig ist: „Das Besondere ist nicht nur, dass TexasGerman jünger ist als die anderen deutschen Dialekte in den USA wie zum Beispiel das Pennsylvania Deutsch, das schon Ende des 17. Jahrhunderts gesprochen wurde. Es ist auch einzigartig, weil es ein Mischdialekt aus mindestens fünf verschiedenen Dialekten ist, da die Immigranten aus verschiedenen deutschen Gebieten kamen. Dazu kommt die Verwendung von englischen Lehnwörtern, wie bei ‚Dann sind wir nach Boerne gemoved’ oder ‚Wir meeten uns heute in town’.“

Das texanische Deutsch ist reich an solchen sonderbaren Sätzen wie „Die Kuh ist über die Fence gejumpt!“ oder „Wasever, ich muss die Pick-up da erst mal greasen und das Oil changen“. Trotz des drohenden Sprachtods hielt es sich hartnäckiger als andere eingewanderte Sprachen. Das lag an der geografischen Isolation der verstreut liegenden Familienfarmen. Die ersten deutschen Einwanderer kamen in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts in ein fast menschenleeres Gebiet. Wer den mehrwöchigen Treck durch Sümpfe, die Krankheiten und den Hunger überstand, machte Land urbar und baute die ersten Häuser.

Die meisten Texas-Deutschen sehen den Niedergang ihrer Mundart als ein naturgegebenes Phänomen an und das Ganze pragmatisch: Für ihre Kinder und Enkelkinder ergibt es im texanischen Alltag heute mehr Sinn, Spanisch zu lernen. Trotzdem bezeichnen sich viele immer noch stolz als TexasDeutsche, im Gegensatz zum Amerikaner von nebenan. Ganz nebenbei entdeckte Boas den ultimativen Texas-German-Test: Woran erkennt man einen Texas-Deutschen? „Am Vorgarten, wenn der sauber und ordentlich ist, dann ist das mit Sicherheit ein Texas-Deutscher!“

Der Spiegel

O autorovi| Stránku připravila Veronika Jičínská

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